Also ich möchte hier ein mal mein Buch vorstellen es is zwar no net ganz fertig aber ich hoff mal es ist für alle leser spannend.

Also no mal viel spaß.

Drachenrunen:



1.Der Brief

Seltsame Gestalten wirbelten um mich herum und strichen mir mehrmals über das Gesicht, für mich sahen sie aus als wären sie tanzende Elfen, die etwas von mir verlangen, aber ich konnte mir nicht erklären was. Wieder mal erwachte ich aus einem Traum, den ich nicht verstehen konnte, wie so viele auch vor ihm. Den ganzen leblosen Tag machte ich mir wieder und wieder Gedanken über diesen Traum, denn er taucht immer häufiger auf.
„Ein Erwachen aus tiefster Vergangenheit“
 Eine seltsame Stimme breitete sich in meinen Kopf aus, als ich abends in mein Zimmer gehen wollte. „Verschwinde“ piepste ich leise vor mich hin und fasste mir an den Kopf. Von einem Moment auf den anderen war wieder alles ruhig als ob nichts gewesen wäre.
Ich lebe in einem nicht gerade großen Dorf, aber hier sind meine ganzen Freunde und Verwandten, also wo soll ich anders hin. So schlimm wie in den letzten Tagen und Wochen war es hier noch nie. Ganze Äcker und Felder brennen ab und wir müssen von unseren mickrigen Einnahmen zu viel an den bösen König abgeben. Mein Vater kann sich und mich fast nicht ernähren und überlegt schon mich zu meinem weit entfernten Großvater zu schicken, wo ich aber nicht hin möchte! Hier ist mein Freund der immer zu mir gehalten hat und ich würde niemals ohne ihn weg gehen. Knall! Ein Buch fiel aus dem Regal heraus und ich verlor meine Gedanken an die schwere Zeit. Ich stand auf und sah mich in meinem Zimmer um, in dem ich gerade saß um einen Brief zu schreiben. Der kalte Wind heulte durch das kaputte Fenster hindurch und gab leise Geräusche von sich. Ich lief langsam zu dem Regal und hob das Buch auf. Es war eines der alten Bücher von den Drachenrunen. „Was hat das zu bedeuten?“ Ich betrachtete das Buch und schlug die erste Seite auf. Es war die alte Legende der Drachenrunen... Kopfschüttelnd schloss ich das Buch und legte es ins Regal zurück. Nach einer Weile setzte ich mich wieder hin um an meiner Arbeit weiter zu machen. Ich hatte den Brief schon fast vollendet als wieder diese Stimme in meinen Kopf auftauchte. Diesmal sagte sie etwas anderes: „Verschwinde Hellen, es wird bald etwas Schreckliches passieren und du musst weg. Die Zukunft deines Landes hängt davon ab“. Ich fasste mir hektisch an den Kopf um die Stimmen zu verdrängen, aber es ging nicht, ich hörte immer wieder denselben Satz. „ Verschwinde Hellen, es wird bald etwas Schreckliches passieren und du musst weg. Die Zukunft deines Landes hängt davon ab“. Ein lauter Schrei ertönte, als es in meinen Kopf anfing zu stechen, es fühlte sich so an als würde mir jemand einen Dolch in den Kopf rammen. Nach langer Zeit des Schmerzes war es plötzlich ganz still im Raum und ich konnte mich wieder von den Schmerzen erholen. „Hellen, alles in Ordnung?“ Die Tür wurde aufgeschlagen und mein Vater kam zu mir. „Hey was ist den los mit dir, warum hast du so laut geschrien?“ Hektisch verdeckte ich den Brief mit meinen Händen. „Ach, nichts. Ehm, ich hab nur mich erschrocken“ Mein Vater sah sich im Raum um und betrachtete das Bücherregal. „Gut, dann pack bitte schon mal deine Sachen, du wirst morgen abreisen“. Er wollte gerade das Zimmer verlassen als ich ihm traurig zurief: „Was, morgen schon? Das kannst du nicht machen, ich konnte mich noch nicht mal verabschieden.“
„Doch es muss sein. Es tut mir ja selbst leid aber es geht nicht anders.“ Mit diesem letzten kalten, endgültigen Satz verließ er mein Zimmer und schloss die Tür hinter sich. Mit einem Schlag rutschte ich wieder auf meinen Stuhl aus Holz und fing an zu weinen. Leise sprach ich meine Gedanken aus. „Das kann er nicht machen. Das kann er einfach nicht tun.“ Traurig wendete ich mich wieder dem Brief zu und vollendete ihn.
Mit lieben Grüßen, deine Tochter Hellen.
Ich faltete ihn zusammen und steckte ihn unter die brennende Kerze. Sie flackerte hin und her und strahlte eine unbeschreibbare Wärme in dem kahlen Raum aus. Noch einmal betrachtete ich mein kleines Zimmer, das ich nun für immer verlasen sollte. Ich holte meine schon fertig gepackten Sachen aus der Ecke und ging nun wieder zu dem Bücherregal, um das alte Buch mit den Drachenrunen heraus zu ziehen. „Ich denke mal, es wird mir in bestimmten Situationen weiter helfen können“

 

 

2.Abschied

Als Hellen eine Zeit lang das Buch betrachtet hatte, hörte sie ein leises Pfeifen von draußen. Sie ging zum offenen Fenster in ihrem Zimmer und warf ihr Gepäck nach unten. „Autsch, Hey spinnst du, Hellen?“ unter dem Fenster des Zimmers stand Rohn, der schon auf das Mädchen gewartet hatte. Sein Haar war mittellang und blond und sein Gesicht liebesvoll und vertrauenswürdig. Er war ungefähr 16 Jahre alt, ein Jahr älter als Hellen. „Entschuldigung, es tut mir leid, ich hatte nicht nach unten geschaut.“ „Na dann pass bitte in Zukunft besser auf“. Mit einen Grinsen im Gesicht hob er das Gepäck auf und band es an das neben ihm stehende Pferd. Es schnaubte unwillig und bewegte seinen Kopf aufgeregt auf und ab. Mit ein paar netten Worten beruhigte Rohn das Pferd und strich ihm über den Hals. „Ich schlage hier schon Wurzeln! Kannst du dich nicht ein bisschen beeilen, Hellen“? „Ja ja, mach nur keine Hektik, ich bin ja gleich da. Hellen zog ein Seil hervor und band es an die Fenster-Diele, mit ein paar geschickten Bewegungen sprang sie vom 2. Stock auf den Boden. „So schau, schon bin ich da“. Hellen machte das Seil los und hängte es zu ihrem Gepäck an den Sattel. „OK dann können wir ja los“. „Warte noch ich brauch auch noch ein Pferd, wir können ja nicht zusammen auf deinen Hengst reiten“. Hellen ließ einen langen Pfiff los und aus der anliegenden Scheune kam eine pechschwarze Stute angelaufen, das Mädchen strich ihr zärtlich über die Nüstern und setzte sich auf ihren Rücken. Rohn, der einen Meter entfernt seinen Hengst hielt, stieg ebenfalls auf und trieb ihn voran. Die wehenden Schweife der Pferde sah man für kurze Zeit in der kahlen Dunkelheit und schon bald waren die beiden in einem schwarzen Loch verschwunden.

 

 

3.Angriff

Der nächste Morgen war angebrochen und Hellens Vater hörte draußen die Menschen um Hilfe rufen. „Na was ist denn da schon zu so früher Stunde los?“ er ging nach draußen um nachzusehen, was da vor sich ging. Als er an seiner Haustüre stand bekam er es mit der Angst zu tun und eine etwas ältere Frau rannte auf ihn zu und keuchte: „Schnell, hol Hellen, der König ist mit seinen Truppen auf dem Weg hier her, sobald er hier eintrifft wird keiner mehr von uns lange am Leben sein. Du musst sie wegschaffen. Sofort!“. Sie drehte sich um und widmete sich den anderen Häusern. Hellens Vater schlug die Tür zu und rannte in das Zimmer seiner Tochter. „Kind, los, beeil dich, du musst sofort weg von hier, der König ist auf dem Weg!“. Er verstummte als er in ihr Zimmer kam und es leer auffand. Er ging langsam zum Schreibtisch und blies die noch brennende Kerze aus, dann erst bemerkte er den Brief, der unter ihr steckte. Er öffnete ihn und las:

Lieber Papa
Es tut mir sehr leid, dass ich dich in diesen schweren Zeiten alleine lassen muss, aber ich sehe es nicht ein, dass ich meinen Freund verlassen soll. Deshalb bin ich gestern mit ihm davon geritten. Ich denke, das ist das Beste und wir sind alt genug, um uns selbst zu versorgen. Ich war dir nur im Weg seit Mutter gestorben ist, und nun kannst du machen was du willst und musst nicht mehr immer auf mich Rücksicht nehmen. Bitte benachrichtige auch Rohns Eltern, dass wir zusammen fort gegangen sind. Ich habe mein Pferd mitgenommen, also bitte wundere dich nicht, dass sie nicht mehr im Stall ist.
Mit lieben Grüßen, deine Tochter Hellen.
PS: Bitte mach dir keine Sorgen.


Geschockt ließ er den Brief fallen. Außerhalb seines Hauses rannten die Menschen auf und ab und packten so viel ein wie sie tragen konnten. Plötzlich ertönte eine liebevolle Stimme hinter ihm „Hellen, bist du da?“ Ihr Vater blickte auf und gab eine schwache Antwort. „Nein, sie ist weg.“ Rohns Mutter kam leise ins Zimmer gelaufen. „Wie meinst du das?“ Er blickte ihr tief in die Augen. „Sie und Rohn sind abgehauen. Sie wollte nicht einsehen, dass ich sie wegschicken muss.“ Er reichte ihr den Brief mit zitternden Händen. Sie nahm ihn entgegen und las ihn durch. „Warum haben sie das gemacht?“ “ Hab ich dir doch schon gesagt sie wollen nicht getrennt sein.“ Sie fasste sich an die Stirn und schüttelte den Kopf. „Na gut, daran können wir jetzt auch nichts mehr ändern, wenigstens sind sie ins Sicherheit. Aber wir müssen hier weg, falls du es noch nicht mitbekommen hast, wir werden angegriffen.“ Sie zog ein bisschen an seinen Ärmel, um ihn zum Gehen aufzufordern. „OK, du hast Recht, geh schon mal raus und hol deine Sachen. Ich pack so lange mein Zeug.“ Rohns Mutter stürmte aus dem Haus und rannte in ihre nahe gelegene Hütte. Hellens Vater ging in das Nebenzimmer und öffnete seinen Schrank, packte alles ein was er für wichtig hielt und ging danach in die sehr kleine, verdreckte Küche um sich ein paar Laibe Brot und Schinken zu nehmen. Draußen kamen die ersten Soldaten an und ein schwarz gekleideter Reiter mit einem nachtschwarzen Pferd zerstörte das Nachbarhaus. Das Pferd wieherte und stieg, doch der Reiter konnte sich ohne Probleme im Sattel halten und gab seinem Pferd sogleich wieder die Sporen. Sie preschten davon um das ganze Dorf zu zerstören. Als Hellens Vater alles fertig gepackt hatte, schlich er leise aus dem Haus, in der Hoffnung nicht gesehen zu werden. Auf der anderen Seite der Straße stand Rohns Mutter und winkte ihm unauffällig zu. Mit eingezogenen Schultern rannte er zu ihr. „Ist dir etwas passiert?“ fragte er besorgt. „Nein, nichts. Gib mir dein Gepäck, ich werde es auf meinem Wagen verstauen“. Sie gingen zu der Scheune neben ihren Häusern und öffneten leise die Türe. Ein Knacken der Diele hatte sie fast an den vorbeireitenden Soldaten verraten, aber er hatte sie zum Glück übersehen. Sie warfen das Gepäck auf den eingespannten Pferdewagen und fuhren durch eine noch sichere Lücke davon.

 

 

4.Schuldgefühle


Hellen und Rohn waren schon mehrere Stunden unterwegs und die Sonne hatte schon längst den Horizont erreicht, als Hellen plötzlich die Zügel anzog.
„He, was ist den los, Hellen“? Rohn zog ebenfalls die Zügel an um auf sie zu warten. Sie zeigte nach vorn auf die Stadt, die sie schon fast erreicht hatten. Rohn drehte seinen Kopf in die Richtung in die sie zeigte und erblickte ein reines Schlachtfeld. „Was ist da nur passiert?“, fragte er Hellen und musterte sein umhertänzelndes Pferd. In Hellens Augen spiegelte sich der Rauch, der von den brennenden Häusern ausging. Den widerlichen Leichenduft roch man sogar von mehr als einen Kilometer. In der Entfernung konnte man noch sehen, wie die abziehenden Soldaten zu dem nächsten Dorf ritten. Hellen blickte immer noch zu der abgebrannten Stadt und begann zu zittern. Ohne Rücksicht trieb Rohn sein Pferd an und rief Hellen zu „Los, wir müssen nach Überlebenden suchen!“. Als er schon einen großen Abstand zu Hellen hatte, drehte er sich um und erblickte sie als immer noch still stehende Figur. „Hey, warum kommst du nicht?“ Ihr Pferd schabte mit den Hufen am Boden und legte die Ohren an, dann trottete es langsam zu Rohn, ohne dass Hellen ihm ein Zeichen gegeben hatte. Rohn ritt eben falls auf sie zu und streichelte zärtlich ihre Wange. „Was hast du denn? Es war doch nicht unser Dorf, und jetzt müssen wir anständig sein und nach Überlebenden suchen. Es ist das einzige, was wir noch für sie tun können.“ Hellen blickte ihn mit Tränen in den Augen an. „Es geht ja nicht um diese Stadt oder um ein anderes Dorf, es ist nur so: Wenn dieses Dorf angegriffen wurde, werden sie auch unseres angreifen und wir haben unsere Eltern ganz alleine gelassen“. Hellen beugte sich nach vorn und fing an zu weinen, sie fluchte und schlug auf den Sattel ein. „He he he he, jetzt können wir auch nichts mehr daran ändern, sie werden sich schon umeinander kümmern“. Er hielt mit aller Kraft, ihre Arme fest, eine beruhigende Geste, wischte ihr vorsichtig die Tränen aus dem Gesicht und bat sie, weiter zu reiten. Langsam bewegten sie sich wieder nach vorn auf die abgebrannte Stadt zu.

 

 

5.Die Zerstörte Stadt


Vor ihnen führte eine Straße ins Zentrum der Stadt, die Rohn und Hellen entlang ritten. Der Rauch, der vom Feuer auftrat, vernebelte ihnen die Sicht, so dass sie kaum die Hand vor Augen sehen konnten. Neben den beiden Reitern stürzte das Dach eines Hauses ein und die Pferde scheuten, so dass Rohn aus dem Sattel fiel. „Hast du dich verletzt?“ fragte Hellen schnell. Er stützte sich mit seinem Ellenbogen vom Boden ab und ergriff die Zügel von seinem Hengst, so hinderte er ihn daran, wegzulaufen. Dann streichelte er sanft seine Nüstern, um ihn wieder zu beruhigen. „Ganz ruhig, mein Alter. Es wird alles gut“. Hellen stieg von ihrer Stute ab, und mit einem Lachen im Gesicht versicherte sie sich, ob bei Rohn alles in Ordnung war. Beide schüttelten die Klamotten vom aufsteigenden Staub aus und gingen nun zu Fuß weiter. Die Pferde schnaubten unruhig und legten die Ohren an, als sie in eine neue Rauchwolke eintauchten. Es knackste überall und das einzige Licht in dieser verrauchten Einöde kam von den verglühenden Holzfunken. Plötzlich krachte der Mast einer Scheune herunter und landete genau vor ihren Füßen. Die Pferde erschraken so sehr, dass sie sich von den Zweien losrissen und das Weite ergriffen. Hellens Gepäck fiel wie durch ein Wunder vom Sattel herunter und krachte auf den Boden. „Verdammt!“ fluchte Rohn, als er den galoppierenden Pferden hinterher rennen wollte. „Es hat keinen Sinn“ antwortete Hellen bedrückt und hob ihr Gepäck auf. Mit hängenden Armen kam Rohn wieder angelaufen und blickte wütend zu Hellen. „Was sollen wir denn jetzt nur machen? Wir können ohne unsere Pferde nicht vorankommen. Wenn uns nicht bald etwas einfällt, sind wir verloren.“ Er warf die Hände nach oben und fluchte, dass sich die Balken bogen. Hellen ließ ihr Gepäck wieder fallen und beruhigte ihn mit sanfter Stimme. „Jetzt komm mal wieder runter, es ist kein Weltuntergang, wir haben doch unsere Beine, und so weit ist es nicht bis zu dem nächsten Dorf. Hier könnten vielleicht noch Pferde sein, also los, komm!“ Sie zupfte an seinem Ärmel und lief voraus. Er nahm das Gepäck und ging ihr immer noch fluchend hinter ihr her während er sich in der verwüsteten Stadt umsah. Ffffph! Ffffph! Zwei starke Windzüge wehten über ihre Köpfe hinweg und vertrieben fast allen Rauch, der die Umgebung vernebelte. „Was war das?“ flüsterte Hellen aufgeregt und schaute nach oben. Rohn hob seine Hand gegen das Gesicht, um die nun freiligende Sonne von seinen Augen fern zu halten. „Keine Ahnung, aber zum Glück sehen wir jetzt wieder was.“ Sie gingen durch die erhellte Stadt und achteten auf jede Bewegung, die ein Lebenszeichen entblößen könnte. Ein Husten ließ eine nicht weit entfernt stehende Figur erkennen.

 

 

6. Ein Überlebender

„Wer seid ihr?“, ertönte eine ärgerliche Stimme aus einen fast zerfallenden Haus. Die zwei drehten sich um und suchten nach dem wahrscheinlich einzigen Lebenszeichen, das es hier noch geben konnte. Plötzlich kam ein sehr alter Mann aus dem Haus gelaufen, er ging an einem Stock, um seinen verletzten Fuß zu schonen. „Ich frag euch noch einmal, wer seid ihr? Gebt mir eine Antwort oder es wird etwas passieren“. „Ganz ruhig, alter Mann! Ich bin Rohn und das ist Hellen“. „Was wollt ihr hier?“ Brummte er mit grimmiger Stimme. Hellen trat hervor und wischte sich erst mal den Russ vom Gesicht. „Wir kommen aus einem nicht weit entfernten Dorf, mein Freund und ich sind von dort geflohen.“ „Ach ja, geflohen! Na, in diesen Zeiten kann man ja nichts anderes machen „Wie meinen sie das“ fragte Rohn neugierig. „Na seht euch doch mal um, der König, dieses Weichei, er zerstört jedes Dorf, das ihm im Weg ist, und mit diesen Gebieten hier haben sie angefangen.“ „Was?“. Hellen ging einen Schritt zurück, um Rohn etwas ins Ohr zu flüstern. „Was sollen wir jetzt tun? Denkst du, dass wir ihm vertrauen können oder nicht?“ Rohn wollte gerade antworten, als der alte Mann ihn unterbrach. „Ihr müsst nichts vor mir geheim halten, ich bekomme wieso alles mit“. „Wir werden uns doch mal besprechen dürfen!“ schnauzte Rohn ihn an. „Ja ja, ich sag nichts mehr“ Der alte Mann drehte sich um und lief in die andere Richtung davon. „Ich würde vorschlagen.....“ Rohn wollte Hellen gerade eine Antwort geben, als er bemerkte, dass der Mann davon ging. „Hey, warten sie, was fällt ihnen eigentlich ein, einfach weg zu gehen?“ Er rannte dem Alten hinterher und zerrte ihn zurück. „Spinnst du, du junger Knabe?“ Der Verletzte kippte nach hinten auf den Boden und verzog vor Schmerzen das Gesicht. „Du kleiner, unverschämter Bengel“. Er sprang geschickt wieder auf die Beine und verpasste Rohn einen kräftigen Hieb auf den Kopf. „Kannst auch gar nicht aufpassen! Ich bin nicht mehr so jung wie ihr, also nehmt gefälligst Rücksicht“. Hellen stand etwas abseits und musste sich das Lachen verkneifen. Rohn rieb sich den Kopf und wurde rot. „Es tut mir leid“ „Das will ich auch hoffen“. Antwortete der Alte und fuchtelte mit seinem Stock herum. „Na gut, dann kommt mal mit, ihr Zwei“. Er betrachtete Hellens Gesicht und ging in Richtung Stadt-Ausgang. Die beiden trotteten ihm widerspenstig hinterher und wollten sich gerade etwas zuflüstern, als erneut zwei kräftige Windstöße über ihre Köpfe hinweg wehten. „Haben sie das gespürt?“ Rief Rohn aufgeregt zu dem alten Mann. „Ja, das habe ich“ Er drehte sich um und grinste die Beiden an. „Und wissen sie, was es war?“ wollte Hellen wissen. „Ja, das weiß ich. Aber ihr werdet es noch früh genug erfahren. Ach ja, und mein Name ist übrigens Vill, falls es euch interessiert.“ „Ich danke ihnen für die Auskunft“ antwortete Hellen frech mit einem Grinsen im Gesicht. „Dir wird das Lachen schon noch vergehen, das schwöre ich dir“ Vill bog in eine Seitenstraße ein und ging durch eine Scheunentür, seine beiden gespannten Begleiter folgten ihm mit großen Erwartungen, denn sie wussten nicht, was der Mann von ihnen wollte. In der Scheune stand eine noch unversehrte Kutsche. Das Holz war mit seltsamen Runen geschmückt, an jede Ecke war ein anderer Drachenkopf geschnitzt, die traurige Gesichter hatten. Hellen ging zu der Kutsche und strich entlang der Runen, sie blieb bei einen der vier Drachenköpfe stehen und betrachtete ihn. „Na, interessierst du dich für Drachen, Mädchen?“ fragte Vill. Sie drehte sich zu dem Mann um und antwortete leise. „Na ja, schon ein wenig“ Sie wandte sich wieder dem Drachenkopf zu und streckte ihre Hand nach ihm aus und wollte gerade seine aus dem Hals wachsenden Stacheln berühren, als von draußen lautes Gebrüll ertönte. Hellen zuckte erschrocken zusammen. „Oh, es wird spät. Wir müssen los!“ „Was war das?“, Rohn kam schnell zu ihnen gerannt. „Ach, nichts, nichts, kommt, helft mir mal“ Vill führte zwei kräftige, gescheckte Kaltblüter aus dem nebenan liegenden Stall und führte sie zu der Kutsche. Rohn kam und half, die Pferde einzuspannen. Hellen war immer noch von dem Drachenkopf in seinen Bann gezogen, traute sich aber nicht mehr, ihn anzufassen. „Also, meine Dame und mein Herr, die Kutsche ist gespannt“ Vill machte einen Hofknicks und schob die Beiden in die Kutsche, dann setzte er sich nach vorne und nahm die Zügel in die Hand. Ein lautes Knallen erklang, als er die Peitsche schwang und die Pferde los trabten.

 

 

7.Entführt

Sie fuhren mehrere Stunden eine gerade Straße entlang, bis sie an einen See kamen. Rohn sah aus dem Fenster heraus. „Vill, warum halten wir?“ „Die Pferde brauchen eine Rast und von hier aus wird es schwerer mit dem Wagen weiter zu fahren“. Er stieg nach unten und lief zu den erschöpften Tieren. „Na, meine Kleinen?“ Er klopfte ihnen auf die Hälse und band sie los. Die Pferde sprangen dankbar auf der anliegenden Wiese herum und fingen sogleich an zu grasen. Hellen streckte ihre Arme zur sonne und stieg ebenfalls aus der Kutsche, sie setzte sich auf die Wiese neben Vill, der das Zaumzeug der Pferde neben sich legte. Rohn folgte ihr und setzte sich zu den Beiden. „Und, wo wollen wir hin, wenn ich fragen darf?“ Hellen sah sich Rohn an, der gerade seine Frage an Vill richtete. „An einen Ort, der sicher für euch ist“. „Aha, als ob wir den nicht selbst gefunden hätten“. „Sei nicht so frech, Rohn, wir sollten froh sein, das er uns mitgenommen hat. Wir können ja auch zu jeder Zeit wieder gehen. „Nein“, brummte ihr Vill zu. „Ihr könnt jetzt nicht gehen, ich brauche euch beide“. „Wieso denn das, sind wir etwas Besonderes?“ „Ja, das seid ihr und wir brauchen euch“. Hellen und Rohn sahen den alten Mann verdutzt an. Langsam bekamen sie doch ein ungutes Gefühl. „Was ist an uns so besonders und warum brauchen Sie uns? Wieso haben Sie eigentlich WIR gesagt? Gibt es denn noch andere Überlebende in ihrem Dorf?“ fragte Hellen freundlich. Sie wollte nun endlich die Wahrheit wissen, denn sie konnten es sich nicht erlauben, einem Fremden ohne Zweifel zu glauben. „Das war nicht mein Dorf, ich hab dort nur auf euch gewartet.“ „Auf uns?“ Rohn stand auf und zeigte mit einen Finger auf Vill. „Was spielen Sie eigentlich für ein falsches Spiel mit uns? Mir reicht’s, sie führen uns sicher hinters Licht und wollen uns dem König ausliefern. Was hätte es sonst einen Grund gegeben, warum sie auf uns gewartet haben?“. Hellen stand auf und flüsterte Rohn etwas ins Ohr. „Wir haben keine andere Wahl als ihm zu vertrauen, unsere Pferde sind weg und zurück können wir auch nicht mehr gehen“. Rohn marschierte wütend auf den kleinen Hügel an der Wiese und setzte sich abseits von den anderen Beiden hin. Hellen lief wieder zu Vill der gerade aufstehen wollte. „Warten sie, wo wollen sie hin?“ Sie streckte ihren Arm nach Vill aus, um in aufzuhalten. „Der Junge will es einfach nicht wahrhaben, ihr müsst bei mir bleiben, und ich denke, du hast die genauesten Zeichen bekommen. Im Schlaf, du weißt schon, was ich meine“. „Die Stimmen! Aber woher wissen Sie davon?“ flüsterte Hellen leise. „Ja, genau diese“. Vill gab keine Antwort auf ihre Frage, sondern drehte sich zu Rohn um, der gerade dabei war, etwas Gras abzureißen. „Sieh ihn dir an, wir brauchen ihn und ohne ihn sind wir verloren. Ihr Beide gehört zusammen und müsst eurer Bestimmung folgen, los Hellen, setz dich wieder zu mir“. Die beiden hörten dem leisen Pfeifen der Vögel zu, die in den umliegenden Bäumen spielten. Der Wind wehte Hellen ihre Haare ins Gesicht, bevor sie die nächste Frage stellte. „Was haben Sie mit uns vor?“ Der alte Mann sah sie wieder mit einen Lächeln an. „Das werdet ihr noch früh genug erfahren. Ich denke, wir müssen weiter ziehen. Wir werden erwartet“. Beide drehten sich zu Rohn um, aber er saß nicht mehr an seinem Platz. „Rohn!“, brüllte Hellen in die verlassene Gegend. Verzweifelt rief sie immer wieder seinen Namen, aber er antwortete nicht. Sie gingen den kleinen Berg hinauf, um zu sehen, ob Rohn weggegangen war, aber sie sahen nur noch die schwarzen Reiter, die ihren Freund verschleppt hatten. „Rohn!“ rief Hellen verzweifelt und wollte gerade hinterher laufen, als Vill sie zurück hielt. „Was fällt Ihnen ein, lassen Sie mich los!“ Sie versuchte, sich mit aller Kraft aus den starken Händen des Mannes los zu reißen, aber er war ihr überlegen. Als sie es endlich aufgab, ließ der alte Mann sie los. „Beruhig dich, Hellen. Wir werden ihn befreien, das verspreche ich dir!“. Er wischte ihr die Tränen aus den Augen und lief zu den zwei Pferden, um sie wieder einzuspannen. Als er fertig war, setzte er sich wieder nach vorne, Hellen lief ihn nach. „Vill, kann ich auch vorne sitzen? Du hast mir viel zu erklären“. Er streckte freundlich seine Hand nach unten und zog sie auf den freien Platz neben ihm. Hellen hörte wieder das Schnalzen der Peitsche und die Pferde liefen langsam voran.

 


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